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Während draußen das Biomassekraftwerk erste "Rauchzeichen" gab, feierten geladene Gäste im beheizten Festzelt die offizielle Inbetriebnahme.

Während draußen das Biomassekraftwerk erste "Rauchzeichen" gab, feierten geladene Gäste im beheizten Festzelt die offizielle Inbetriebnahme.

Während draußen das Biomassekraftwerk erste "Rauchzeichen" gab, feierten geladene Gäste im beheizten Festzelt die offizielle Inbetriebnahme.

Mit einem großen Fest wurde am 10. Dezember 2003 das Biomassekraftwerk auf dem Gelände der Deponie Wicker eingeweiht. In einem beheizten Festzelt, an der Bundesstraße 40 gegenüber dem grün-gelb angestrichenen Kraftwerk, begrüßte Gerd Mehler, einer der drei Geschäftsführer der Betreiberfirma Biomasse Rhein-Main GmbH, die zahlreiche Prominenz, darunter auch der hessische Umweltminister Wilhelm Dietzel.

31, 90, 15, 100, 35 waren die Zahlen des Tages:

31 Millionen Euro hat das Kraftwerk gekostet, in dem zukünftig 90 Tausend Tonnen Altholz verbrannt wird, um 15 Megawatt elektrische Energie für 100 Tausend Personen in 35 Tausend Haushalte zu liefern.

Fotos von der Inbetriebnahme

TV-Bericht von Rhein-Main-TV (37 Sek. / 1 MB)

  

Presseschau zur Inbetriebnahme

F.A.Z.  vom 11.12.2003:

Aus altem Holz entsteht elektrischer Strom für 35000 Haushalte

Neues Biomassekraftwerk an der Deponie Wicker offiziell in Betrieb genommen / Baukosten in Höhe von 31 Millionen Euro

FLÖRSHEIM. Seit vier Wochen wird die Anlage befeuert, und von Montag an wird auch Strom ins Netz eingespeist: Gestern ist das neue Biomassekraftwerk an der Deponie Wicker offiziell in Betrieb genommen worden. 90 000 Tonnen Altholz können dort im Jahr verbrannt werden, um damit eine Dampfturbine und einen Generator mit 15 Megawatt elektrischer Leistung anzutreiben. Bei 8000 Betriebsstunden im Jahr lässt sich so der Strombedarf von 100000 Menschen oder 35000 Haushalten decken. Betreiber der Anlage ist die "Biomasse Rhein-Main GmbH", hinter der drei gleichberechtigte Partner stehen. Die Main-Taunus-Recycling GmbH stellte das Gelände direkt neben der Deponiegasanlage zur Verfügung, kümmerte sich um die Genehmigung und den größten Teil der Finanzierung. Betreiber des Kraftwerks ist die Mannheimer Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (MVV) Energie AG. Der nötige Brennstoff wird von der KKM Wertstoffsortiergesellschaft angeliefert, einem Zusammenschluss der Entsorgungsunternehmen Kilb, Knettenbrech (heute RWE Umwelt Hessen) und Meinhardt.

Seit drei Jahren betreibt die KKM auf dem Deponiegelände eine Altholzaufbereitungsanlage. Das Holz wird aus Sperr- und Gewerbemüll aussortiert und zerkleinert. Die Späne werden jetzt mit Lastwagen in ein sogenanntes Schubbodenlager neben dem Kraftwerk gebracht, dessen beweglicher Boden die Holzstücke auf eine Art Förderband schiebt. 2000 Kubikmeter können dort lagern, genug Brennmaterial für ein Wochenende. Von dort wird das Holz 16 Meter hoch in einen kleineren Zwischenspeicher und von dort in die Brennkammer befördert. Dort fallen die größeren Holzstücke auf einen Rost, während die kleineren bei 850 Grad Celsius in der Luft verglühen.

Die Temperatur ist nötig, um die Verordnungen des Bundesimmissionsschutzgesetzes zu erfüllen. Zum Aufheizen sind zwar Ölbrenner nötig, doch mit Erreichen der Betriebstemperatur reicht allein der Brennwert des Holzes aus. Weil der 30 Meter hohe, grün-beige Kasten mit dem bunten 40 Meter hohen Schornstein auf einem vorhandenen Fundament gebaut wurde, geht es innen beengter zu als sonst üblich. 31 Millionen Euro hat das Biomassekraftwerk gekostet, das in 17 Monaten errichtet worden ist.

Als "tollen Tag für die Umwelt" bezeichnete gestern der hessische Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) das nach seinen Worten größte Biomassekraftwerk in Hessen. Es sei ein Beitrag dazu, die Beschlüsse der Klimakonferenzen von Kyoto, Rio und Johannesburg umzusetzen. Die Landesregierung habe sich zum Ziel gesetzt, den Anteil erneuerbarer Energien bis zum Jahr 2015 auf 15 Prozent zu steigern. Weil die Wasserkraft in den flacheren Regionen begrenzt nutzbar sei und Windräder sich auf bestimmte, windhäufige Lagen beschränken sollten, komme der Biomasse als Brennstoff große Bedeutung zu. Hessen als Bundesland mit dem prozentual höchsten Waldanteil fördere Anlagen, bei denen der Waldholzanteil bei mehr als 50 Prozent liege - was hier allerdings nicht zutreffe. Um die Technik weiterzuentwickeln, sei ein Kompetenzzentrum in Witzenhausen geplant.

Für Gerd Mehler, Geschäftsführer der mit der Wickerer Deponie verbundenen Betreiber- und Recyclinggesellschaften, ist das Biomassekraftwerk ein weiterer Schritt dazu, die alte "Siebziger-Jahre­Müllkippe" zu einem "High-Tech_Standort" zu entwickeln. So bekomme die Energieerzeugung mit dem neuen Kraftwerk nach der Nutzung der Deponiegase und der Sonnenenergie immer größere Bedeutung. Der Erste Beigeordnete des Main-Taunus-Kreises, Hans-Jürgen Hielscher (FDP), bezeichnete es als bemerkenswert, dass es nur zwei Einsprüche gegeben habe. Und Kilb zeigte sich für die KKM zuversichtlich, dass genug Altholz als Brennstoff anfalle. Schließlich befänden sich Sortieranlage und Kraftwerk im Ballungsraum mit kurzen Transportwegen und hätten zwei Landkreise als Partner. bie.

Frankfurter Rundschau vom 11.12.2003

Größter hessischer Ökostrom-Standort

Biomassekraftwerk Wicker geht am Montag ins Netz

Von Christine Vaternahm

Mit einem Festakt ist das neue Biomassekraftwerk in Flörsheim seiner Bestimmung übergeben worden. Am Montag soll es ans Netz gehen und in Zukunft Strom an 35000 Haushalte liefern.

FLÖRSHEIM. 10. DEZEMBER In der Energieversorgung setze die hessische Landesregierung auf einen Mix aus Kernkraft, fossilen und erneuerbaren Brennstoffen, erläuterte der Hessische Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) bei dem Festakt in Flörsheim-Wicker. Bis zum Jahr 2015 solle die Energieerzeugung in Hessen zu 15 Prozent auf Biomasse und nachwachsende Rohstoffe umgestellt werden.

Daher sei es "ein toller Tag für einen Umweltminister", wenn er ein Kraftwerk wie das in Flörsheim-Wicker seiner Bestimmung übergeben könne. Bei Umweltkonferenzen in Rio oder Kyoto würden zwar Beschlüsse gefasst, doch diese müssten auch umgesetzt werden, betonte er. "Man ist natürlich für die Umwelt, aber bitte nicht bei mir vor der Haustür", sei die Haltung vieler Menschen. Daher sei es "gut, dass die Bevölkerung in Wicker mitgemacht hat".

Das Kraftwerk in Flörsheim habe die Landesregierung zwar nicht finanziell unterstützt, "aber wir fördern solche Kraftwerke, in denen mehr als 50 Prozent Holz verwendet wird". Zusätzlich solle in Witzenhausen ein Kompetenzzentrum eingerichtet werden, das Firmen, die. solche Kraftwerke betreiben, zusammenfasse und deren Arbeit wissenschaftlich begleite. "Wenn die Technik verbessert wird und sich weiterentwickelt, können die Firmen kostengünstiger arbeiten", sagte Dietzel.

Die Anlage in Flörsheim-Wicker hat 31 Millionen Euro gekostet. Jährlich sollen 90000 Tonnen Brennstoffe in ihr verfeuert werden und mit 15 Megawatt Leistung Strom für rund 100000 Menschen in 35000 Haushalten liefern. Rund 2,5 Millionen Tonnen Kohlendioxidausstoß (CO2) könnten mit dem Kraftwerk eingespart werden, sagte der Geschäftsführer der Biomasse Rhein.Main (Bioma), Gerd Mehler.

Von einer Müllkippe der 70er Jahre solle der Standort in Wicker in einen "High-Tech-Gewerbepark" umgewandelt werden. Zusätzlich zu Altholz solle Schlacke zur Verbrennung aufbereitet werden, in drei Monaten werde eine biologische Bodenreinigungsanlage in Betrieb genommen. Außerdem werde eine Immobilisierungsanlage gebaut, sagte Mehler. Mit einer solchen Anlage werden Klärschlämme, die mit Schadstoffen belastet sind, in ihrer Struktur so verändert, dass die Schadstoffe nicht mehr in die Umwelt entweichen können.

Eine weitere Solaranlage werde gebaut und die beteiligten Firmen, die Main-Taunus-Recycling-Gesellschaft (MTR), die Wertstoffsortiergesellschaft KKM und die Aktiengesellschaft MVV Energie, dächten darüber nach, zusätzlich ein Gaskraftwerk zu bauen, sagte Mehler.

Für den Main-Taunus-Kreis sei der Tag der Eröffnung des Kraftwerks ein "Supertag", sagte der Erste Kreisbeigeordnete Hans-Jürgen Hielscher (FDP). Denn nun sei der Kreis der "größte Standort für Ökostrom in Hessen". Die Idee für die Errichtung der Anlage sei vor drei Jahren entstanden, nun sei das Kraftwerk in lediglich 17 Monaten "von Null auf Produktionsreife" gebracht worden. Die Energiegesetzgeber hätten knappe Fristen gesetzt "und wir konnten uns entscheiden, ob wir die einhalten und damit höhere Einspeisungsvergütungen bekommen", sagte Hielscher. Um die Anlage als Projekt in den Regionalpark einzubinden werde im kommenden Frühjahr eine 18 Meter hohe Kletterwand an dem Kraftwerksgebäude eröffnet, kündigte er an und setzte mit Blick auf Beschlüsse von Umweltkonferenzen hinzu: "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es."

Höchster Kreisblatt vom 11.12.2003

„Ein wichtiger Tag für die Umwelt“

Biomassekraftwerk auf Wickerer Deponiegelände kostet 31 Millionen und liefert 15 Megawatt Strom

Wicker. Mit einem großen Fest wurde gestern das Biomassekraftwerk an der Wickerer Deponie eingeweiht. In einem beheizten Festzelt, an der Bundesstraße 40 gegenüber dem grün-gelb angestrichenen Kraftwerk, begrüßte Gerd Mehler, einer der drei Geschäftsführer der Betreiberfirma Biomasse Rhein-Main GmbH, die zahlreiche Politprominenz, darunter auch der hessische Umweltminister Wilhelm Dietzel.

In 18 Monaten wurde auf dem Deponie-Gelände die 30 Meter hohe Anlage, die 15 Megawatt produziert, samt dem dazugehörigen, 40 Meter hohen Schornstein gebaut. 45 Firmen aus fünf Ländern mit insgesamt 200 Mitarbeitern errichteten das erste Biomassekraftwerk in der Region. Während der Bauzeit habe es keinen einzigen Arbeitsunfall gegeben, erklärte Gerd Mehler. 31 Millionen Euro seien für eine ökologisch sinnvolle Anlage investiert worden, die jährlich künftig rund 90000 Tonnen Altholz verwerte. Der Tag der Einweihung des Biomassekraftwerks sei nicht nur für alle am Bau beteiligten Firmen und Investoren ein wichtiger Tag, sondern "auch für die Umwelt". Bei einer Betriebsdauer des Kraftwerks von 20 Jahren würden - im Vergleich zu einem herkömmlichen Kohlekraftwerk - 2,5 Millionen Tonnen Kohlenstoff I (CO2) weniger anfallen.Die von dem Kraftwerk erzeugte maximale elektrische Leistung von 15 Megawatt reiche aus, um einen Jahresertrag zu erzielen, der dem Verbrauch von rund 35000 Haushalten mit insgesamt 2900 Kilowattstunden Strombedarf jährlich entspreche, erläuterte Mehler.

Der Biomasse-Geschäftsführer zählte noch weitere Vorteile auf: Bei der Verbrennung von Altholz werde zwar mit dem Kohlendioxid CO2 ein Treibhausgas freigesetzt, doch es werde nur die Menge CO2 wieder in die Atmosphäre abgegeben, die vorher beim Wachstum der Bäume der Atmosphäre entzogen worden seien. Die gleiche Menge an Kohlendioxid würde aber auch beim Verrotten des Holzes freigesetzt.

An dieser zukunftsträchtigen Art von ökologischer Abfallentsorgung hätten sich auch die Mitgesellschafter, die Entsorgungs- und Energieversorgungsunternehmen KKM und RHE, beteiligt. Gerd Mehler kündigte an, dass auf dem Deponiegelände in Zukunft zusätzlich in den Bau von Solaranlagen und einer Reinigungsanlage für belastete Böden investiert werde.

Zurück zum Biomassekraftwerk: Bis zum Ende dieser Woche, spätestens am kommenden Montag, soll die Anlage in Betrieb gehen, bisher gab es nur Probeläufe. Wer Angaben über die Luftbelastungen erfahren möchte, die durch die Abgase der Anlage entstehen, kann sich täglich im Internet unter der Adresse www.mtr-gmbh.de über die aktuellen Messergebnisse informieren.

Übrigens: Bisher wurden 80000 bis 90000 Tonnen Altholz auf die Wickerer Deponie transportiert, dort gereinigt und behandelt sowie danach an Heizkraftwerke in Deutschland geliefert. Mit der Inbetriebnahme des Biomassekraftwerks entfallen diese "Doppel-Transporte". Nur der Abtransport von belastetem Holzstaub, der unterhalb des Schornsteins zur Verladung bereit gehalten wird, ist nicht zu verhindern.

An der Biomasse Rhein-Main-GmbH sind - über die Gesellschaftsanteile der Main-Taunus-Recycling-GmbH (MTR) an der Biomasse Rhein-Main-Gesellschaft - indirekt auch die Städte Flörsheim, Hochheim, der Hochtaunus- sowie der Main-Taunus-Kreis beteiligt, die als Gesellschafter Anteile an der MTR-Gesellschaft halten. (meh)

Jede eingespeiste Kilowattstunde Strom bringt 8,7 Cent

Wicker. Auch mit Müll ist Geld zu machen - und mit Altholz ebenfalls. Dies beweist das Biomassekraftwerk auf dem Gelände der Wickerer Deponie. In einer Aufbereitungsanlage wird angeliefertes Altholz gereinigt und zu Chips geschreddert, die in dem Kessel verbrannt werden. Die durch den Verbrennungsvorgang freigewordene Wärme treibt eine Turbine an, die Elektrizität erzeugt. Dieser Vorgang wird subventioniert: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) legt fest, dass für jede ins öffentliche Stromverteilernetz eingespeiste Kilowattstunde 8,7 Cent gezahlt werden. Dieses Geld wird von allen Stromkunden im Umlageverfahren mitbezahlt. Der Zeitraum der Subventionen ist allerdings auf 20 Jahre begrenzt. Außerdem müssen Anlagen, die diese Einspeisevergütung in das Stromnetz möglich machen sollen, spätestens bis zum Juni 2004 genehmigt sein. Dies gilt für Biomassekraftwerke, die billige, mit Schadstoffen belastete Hölzer verbrennen. Für Elektrizitätsversorgungsunternehmen und Firmen der Holz verarbeitenden Industrie lohnt sich dieses Geschäft trotz der gewaltigen Investitionssummen.

In Wicker werden Althölzer der Kategorien A I, A II und A III als Brennstoff für das Kraftwerk genutzt. Mit Kategorie A I bezeichnetes Altholz ist naturbelassen oder lediglich mechanisch bearbeitet. Hölzer, der Kategorie A II sind verleimt, gestrichen, beschichtet, lackiert oder anderweitig ohne halogenorganische Verbindungen in der Beschichtung behandelt und frei von Holzschutzmitteln. In der Kategorie A III fällt Altholz mit halogenorganischen Verbindungen in der Beschichtung ohne Holzschutzmittel.

Nicht verwendet für das Biomassekraftwerk in Wicker wird Altholz der Kategorie A IV: Diese Hölzer sind mit Holzschutzmitteln behandelt, die eine hohe Schadstoffbelastung haben. Ausgenommen davon ist PCB-Altholz.

Für die Wickerer Deponie bedeutet das Biomassekraftwerk auch eine Vorsorgemaßnahme: Ab dem Jahr 2005 darf so genannter Siedlungsabfall nicht mehr auf Deponien gelagert, beziehungsweise gekippt werden. Dies betrifft auch den Haus- und Sperrmüll. Dieser Müll muss, so lautet die Vorschrift, verwertet werden. Mit der Verwertung von Altholz ist die Biomasse Rhein-Main-GmbH damit den gesetzlichen Auflagen einen Schritt voraus.

Der 40 Meter hohe Schornstein, dessen Farbanstrich von Friedrich Ernst von Garnier konzipiert wurde, lässt die Abgase des Kraftwerks nach einem vorher erfolgten Reinigungs- und Filtervorgang über dem Biomassekraftwerk frei. Über die kleineren Schornsteine, die neben dem bunt bemalten 40-Meter-Schornstein zu sehen sind, werden Wasserdämpfe abgelassen. (meh)

Wiesbadener Kurier vom 11.12.2003:

Jetzt kommt Ökostrom aus der Steckdose

Biomassekraftwerk in Wicker geht ans Netz / Feuerung mit Altholz-Schnitzeln / 18 Meter hohe Freikletterwand

Von Kurier-Mitarbeiter Patrick Körber

WICKER Mit rund 300 geladenen Gästen aus Wirtschaft und Politik ist das größte hessische Biomassekraftwerk auf der Rhein-Main-Deponie (RMD) in Wicker gestern offiziell in Betrieb genommen worden. Als "großen Tag für die Umwelt" bezeichnete Gerd Mehler, Mitgeschäftsführer der neu gegründeten Betreibergesellschaft Bioma und RMD-Chef, die Fertigstellung des Projekts. Auch der hessische Umweltminister Wilhelm Dietzel lobte den wichtigen Schritt in Richtung erneuerbare Energien.

Bis zum Jahr 2015 wolle das Land Hessen 15 Prozent der Energie aus der Umwandlung von Biomasse gewinnen. Insgesamt stehe die Landesregierung aber für einen Energiemix aus Kernkraft, fossilen Brennstoffen sowie aus erneuerbaren Energien.

Nach nur 17 Monaten Bauzeit wird das Biomassekraftwerk am Montag den ersten Strom ins Netz einspeisen. Derzeit wird der Kraftwerkskessel angefahren. Das heißt: durch zunehmende Befeuerung wird der Kessel sukzessiv auf Betriebstemperatur gebracht. Das für 31 Millionen Euro errichtete Kraftwerk erzeugt maximal 15 Megawatt Leistung. Pro Jahr wird also eine Strommenge von 8000 Stunden aus der Verbrennung von Altholz gewonnen. Somit können rund 35 000 Haushalte mit elektrischem Strom versorgt werden.

Das angelieferte Altholz wird zunächst nach den Kriterien getrennt, ob das Holz, vorbehandelt, verleimt oder beispielsweise lackiert ist. Altholz, das eine hohe Schadstoffbelastung aufweist, kommt nicht zum Einsatz. Daraufhin werden die Holzteile so lange zerkleinert, bis die so genannten Holzhackschnitzel höchstens zehn Zentimeter lang sind. Dabei werden auch Metallteile wie Nägel oder Schrauben aus dem Holz entfernt. In einem 2000 Kubikmeter großen Kessel werden pro Stunde 11,2 Tonnen dieser Holzstücke verfeuert.

Der Kessel erhitzt das zugeführte und entsalzte Wasser auf 450 Grad. Dabei entstehen rund 55 Tonnen Wasserdampf pro Stunde. Der Dampf treibt eine Turbine an, die letztlich den Strom erzeugt. Das kondensierte Wasser bleibt im Kreislauf und kann erneut verdampfen.

Die bei der Verbrennung entstehenden Abgase, wie etwa Stickoxide oder Dioxide, werden weitgehend zu Wasserdampf und Stickstoff abgebaut, die restlichen Schadstoffe werden gefiltert. In die Luft gelangt allerdings Kohlendioxid (CO2). Dies stelle aber keine Belastung für die Umwelt dar. "Die gleiche Menge CO2 würde entstehen, wenn das Holz im Wald verrottet", erklärt Mehler. Außerdem hat der Baum beim Wachsen die gleiche Menge CO2 aufgenommen, die über die Verbrennung wieder an die Atmosphäre abgegeben wird.

Für das Kraftwerk haben die drei Gesellschafter - die Main-Taunus-Recycling GmbH (ein Tochterunternehmen der RMD), die Wertstoffsortiergesellschaft KKM sowie die  MVV Energie AG - eine Laufzeit von 20 Jahren anberaumt. "Das Biomassekraftwerk zeigt, das moderne Wirtschaftspolitik mit Umweltpolitik kombinierbar und bezahlbar ist", freut sich Hans-Jürgen Hielscher, Erster Kreisbeigeordneter des Main-Taunus-Kreises über "den Supertag für den Main-Taunuskreis".

Zwar kommt jetzt auch Öko-Strom aus der Steckdose, doch billiger wird die Energie nicht.  Die Verbrennung von Altholz im Biomassekraftwerk sei aber rund 130 Euro pro Tonne günstiger als in der Müllverbrennungsanlage. Diese Ersparnis müsste sich in den Gebühren für die Müllbeseitigung niederschlagen, informieren die Bioma-Betreiber.

Ab kommendem Jahr hat das 30 Meter hohe Biomassekraftwerk auch etwas für Kletterfreunde zu bieten. Am Gebäude errichtet die Bioma eine 18 Meter hohe Freikletterwand, laut Hielscher die größte im Rhein-Main-Gebiet.

In den kommenden Jahren solle die Rhein-Main-Deponie zum High-Tech-Gewerbepark ausgebaut werden, blickt RMD-Geschäftsführer Mehler in die Zukunft. So denke die Gesellschaft über die Errichtung eines Biogaskraftwerks nach. In drei Monaten gehe die biologische Bodenreinigungsanlage in Betrieb.