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Der Bau des Biomassekraftwerkes in Flörsheim-Wicker liegt im Zeitplan. Im Herbst soll probeweise das erste Feuer im Kessel brennen. Am Mittwoch traf sich Prominenz aus Politik und Wirtschaft zum "Turbinenfest" an der Baustelle.

FLÖRSHEIM. Von der Bundesstraße 40 aus betrachtet schaut es ein bisschen aus wie das Pariser Centre Georges Pompidou. Das Skelett des Biomassekraftwerkes glänzt in kräftigen Farben Grün, Blau und Rot. Ein 40 Meter hoher, bunt gestreifter Schornstein, quasi die Luftröhre der Ökostrom-Fabrik, liegt noch quer auf dem Boden. Der Schlot wird erst in der nächsten Woche installiert. Am Mittwoch verfolgten zahlreiche Vertreter aus Politik und Wirtschaft sowie weitere Bürger hingegen eine "Herzoperation".

So bezeichnete Hans-Jürgen Hielscher (FDP), Erster Kreisbeigeordneter und Aufsichtsratschef der Rhein-Main Deponie, den Einbau einer 60 Tonnen schweren Turbine, die pünktlich wenige Stunden vor dem Fest am frühen Morgen aus Tschechien geliefert worden war. Zusammen mit einem in England gefertigten Generator wurde die Turbine mit Hilfe eines leistungsstarken Krans in das Kraftwerk "implantiert". Hielschers Versprechen hörte sich indessen für viele der zum "Turbinenfest" geladenen Gäste spektakulärer an als der chirurgische Eingriff verlief.

Turbine und Generator hatte die Betreibergesellschaft Biomasse Rhein-Main, in der sich die Gesellschaften Main-Taunus-Recycling (MTR), KKM Wertstoffsortierer und die Mannheimer MVV zusammengeschlossen haben, bei einem Nürnberger Unternehmen bestellt, das im Ausland produzieren lässt. Hielscher betonte, der Bau gebe "ein Beispiel gelungener europäischer Wirtschaftsintegration". An dem Projekt wirkten 65 Firmen aus dem In- und Ausland mit, darunter Dänemark, Polen, Rumänien und Österreich. Die Bauleiter etwa kommen aus der Schweiz. Auch eine US-amerikanische Firma ist beteiligt.

Nach Angaben von Gerd Mehler, einem von drei Geschäftsführern der Biomasse Rhein-Main, arbeiten momentan 150 Menschen auf der Baustelle. Wenn das Kraftwerk im Winter in Betrieb geht, wird der Deponiestandort dauerhaft 15 neue Jobs zu bieten haben. Die Zahl der Beschäftigten erhöht sich damit auf 200.

Erfolgreiche Arbeit bescheinigte Hielscher auch den politischen Entscheidungsträgern. Der Bund habe mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz den Rahmen festgelegt und ökonomische Anreize geschaffen.

Die Ökostrom-Fabrik zwischen Flörsheim-Wicker und Hochheim wird von Dezember 2003 an jährlich 90 000 Tonnen aufgearbeitetes Altholz in 15 Megawatt elektrische Energie umwandeln. Sie ist 8000 Stunden pro Jahr in Betrieb. Dies reicht aus, um 100 000 Einwohner in 35 000 Haushalten mit Strom zu versorgen. Gemeinsam mit anderen Anlagen des Deponieparks könnte künftig der halbe Main-Taunus-Kreis von Wicker aus mit Öko-Strom versorgt werden. Bereits jetzt wird Altholz dort behandelt und an Heizkraftwerke im gesamten Bundesgebiet geliefert. Mit dem neuen Biomassekraftwerk entfällt dieser Abtransport. Die Verkehrsbelastung durch Lkw wird damit verringert. Als Brennstoff darf kein Altholz verwendet werden, das mit Schadstoffen behandelt ist wie Bahnschwellen, Leitungsmasten oder Rebpfähle. Verbrannt werden etwa Transportkisten sowie verleimte, gestrichene Möbelteile ohne Schutzmittel. In der Aufbereitungsanlage wird das Altholz sortiert und geschreddert. Die Holzspäne werden dann im Kessel des Kraftwerkes verbrannt. Altholz und Grünschnitt sollen so klimaverträglich in Flammen aufgehen. Dabei tritt nur so viel Kohlendioxid in die Atmosphäre ein wie die Bäume vormals beim Wachstum speicherten und wie nachwachsende Bäume erneut aufnehmen. Der Schadstoffausstoß wird mit moderner Technik überwacht.

Nähere Informationen sowie aktuelle Bilder von der Webcam gibt es im Internet unter www.biomassekraftwerk-wicker.de

Quelle: Frankfurter Rundschau